Handy als Kamera
Ein Handy ist oft die bessere Webcam — mit einer Zusatz-App wird es zu einem Kameragerät, das Hologramu wie jede andere Kamera sieht.
Wie das funktioniert
Hologramu hat keine eigene Handy-Anbindung und braucht auch keine. Es öffnet Kameras, die das Betriebssystem kennt. Eine App auf dem Handy und ein kleines Programm am PC bilden zusammen eine virtuelle Kamera — ab dann steht das Handy in der Geräteliste wie eine USB-Webcam, mit allem, was dazugehört: Auflösung, Bildrate, Platz auf der Bühne, Zusammenführung mit weiteren Kameras.
In Hologramu selbst ist also nichts einzurichten außer der Auswahl.
Tipp: Ein Handy ist besonders als zweite Kamera stark. Stell es seitlich auf: die Webcam von vorne gibt links/rechts und hoch/runter vor, das Handy von der Seite die Tiefe — wie weit deine Hand nach vorne zeigt. Trag den Platz danach auf der Bühne ein, siehe Kamera wählen.
Welche App?
| Weg | Handy | PC | Verbindung |
|---|---|---|---|
| DroidCam | Android, iOS | Linux, Windows | USB oder WLAN |
| Iriun Webcam | Android, iOS | Linux, Windows | WLAN |
| Verbundene Kamera (Phone Link) | Android | nur Windows 11 | WLAN + Bluetooth |
| MJPEG-Stream + ffmpeg | beliebige Streaming-App | nur Linux | WLAN |
DroidCam und Iriun sind der kurze Weg, der auf beiden Handy-Systemen und auf beiden PC-Systemen funktioniert. Der ffmpeg-Weg braucht keinen fremden PC-Client, kostet dafür etwas Handarbeit.
USB schlägt WLAN. Beide Wege funktionieren, aber über Kabel ist das Bild spürbar direkter, es reißt nicht ab, wenn jemand anders im Haus streamt, und das Handy lädt nebenbei. Für Tracking zählt Verzögerung mehr als Auflösung.
Linux: das virtuelle Kameragerät
Unter Linux muss es ein Gerät geben, in das die PC-Software das Handybild
hineinschreiben kann. Das macht das Kernel-Modul v4l2loopback: es erzeugt
ein zusätzliches /dev/video*, das sich für alle anderen Programme wie eine
Kamera anfühlt.
# Arch, Manjaro, EndeavourOS
sudo pacman -S v4l2loopback-dkms v4l-utils
# Debian, Ubuntu, Linux Mint, Pop!_OS
sudo apt install v4l2loopback-dkms v4l-utils
# Fedora (RPM Fusion "free" muss aktiviert sein)
sudo dnf install akmod-v4l2loopback v4l-utils
# openSUSE
sudo zypper install v4l2loopback-kmp-default v4l-utilsv4l-utils ist nicht zwingend, liefert aber v4l2-ctl — das Werkzeug, mit dem
man nachsieht, ob das Gerät wirklich da ist.
Achtung: Die DKMS-Pakete bauen das Modul für deinen laufenden Kernel und
brauchen dafür dessen Header. Fehlen sie, bricht die Installation mit
einem Build-Fehler ab. Arch: sudo pacman -S linux-headers (bei anderen
Kerneln entsprechend linux-zen-headers, linux-lts-headers).
Debian/Ubuntu: sudo apt install linux-headers-$(uname -r).
Modul laden und das Gerät benennen:
sudo modprobe v4l2loopback video_nr=10 card_label="Handy" exclusive_caps=1Damit heißt das Gerät /dev/video10 und steht in Hologramu als „Handy". Ohne
video_nr sucht sich das Modul eine freie Nummer.
Dauerhaft, damit es jeden Start selbst da ist:
echo v4l2loopback | sudo tee /etc/modules-load.d/v4l2loopback.conf
echo 'options v4l2loopback video_nr=10 card_label="Handy" exclusive_caps=1' \
| sudo tee /etc/modprobe.d/v4l2loopback.confPrüfen:
lsmod | grep v4l2loopback
v4l2-ctl --list-devicesHinweis: exclusive_caps=1 bedeutet, dass sich das Gerät erst dann als
Kamera meldet, wenn wirklich jemand hineinschreibt. Hologramu blendet
Geräte aus, die keine Bilder liefern können — das virtuelle Gerät taucht
deshalb erst in der Liste auf, wenn die Verbindung zum Handy schon steht.
Reihenfolge also: Handy-App starten, PC-Programm verbinden, dann in Hologramu
die Kamera wählen. Ohne exclusive_caps=1 steht es immer in der Liste, liefert
dann aber schwarze Bilder, solange nichts sendet.
Handy per USB anschließen
Nur für den Kabelweg nötig — WLAN braucht nichts davon.
# Android (ADB)
sudo pacman -S android-tools # Arch
sudo apt install adb # Debian, Ubuntu
sudo dnf install android-tools # Fedora
sudo zypper install android-tools # openSUSE
# iPhone (usbmuxd)
sudo pacman -S usbmuxd # Arch
sudo apt install usbmuxd # Debian, Ubuntu
sudo dnf install usbmuxd # Fedora
sudo zypper install usbmuxd # openSUSEAuf dem Android-Handy müssen dafür die Entwickleroptionen und darin USB-Debugging eingeschaltet sein; beim ersten Anstecken fragt das Handy, ob es dem Rechner vertrauen soll. Beim iPhone reicht das übliche „Diesem Computer vertrauen".
DroidCam einrichten
Läuft auf Android und iOS, verbindet über Kabel oder WLAN.
- Auf dem Handy DroidCam aus dem Play Store bzw. App Store installieren.
- Am PC den passenden Client von
dev47apps.com holen. Unter Arch
gibt es ihn auch als AUR-Paket
droidcam. - Linux-Client entpacken und installieren:
cd /tmp
unzip droidcam_latest.zip -d droidcam
cd droidcam
sudo ./install-client- DroidCam bringt ein eigenes Loopback-Modul mit (
sudo ./install-video). Wer v4l2loopback schon installiert hat, braucht es nicht — beides zu haben ist aber auch kein Problem, dann gibt es eben zwei virtuelle Geräte. - App auf dem Handy öffnen, Client am PC starten, USB oder WiFi wählen. Bei WLAN zeigt die App eine IP-Adresse, die am PC eingetragen wird.
Iriun einrichten
Verbindet ausschließlich über WLAN, dafür ohne Adresse-Eintippen: Client und Handy finden sich im selben Netz von selbst.
- Iriun Webcam auf dem Handy installieren (Android oder iOS).
- Den Client von iriun.com laden — es gibt ein
.debund ein.rpm. Das.debinstalliert man mitsudo apt install ./iriunwebcam-*.deb(löst die Abhängigkeiten gleich mit, anders alsdpkg -i). - v4l2loopback wird vorausgesetzt, siehe oben.
- Beide Geräte ins selbe WLAN, App und Client öffnen — die Verbindung entsteht von allein.
Ohne fremden PC-Client: MJPEG-Stream
Wer keinen proprietären Client installieren will: Viele Kamera-Apps bieten den
Kamerastream einfach als Webadresse an — unter Android etwa IP Webcam, unter
iOS Apps, die MJPEG oder RTSP anbieten. Die Adresse steht in der App
(z. B. http://192.168.1.42:8080/video). ffmpeg schiebt den Stream in das
virtuelle Gerät:
ffmpeg -i http://192.168.1.42:8080/video -vf format=yuv420p -f v4l2 /dev/video10Das Fenster muss offen bleiben, solange getrackt wird. ffmpeg installieren:
sudo pacman -S ffmpeg # Arch
sudo apt install ffmpeg # Debian, Ubuntu
sudo dnf install ffmpeg # Fedora (RPM Fusion)
sudo zypper install ffmpeg # openSUSE (Packman)Hinweis: ffmpeg liegt Hologramu nicht bei und wird nur benutzt, wenn es im System vorhanden ist. Diese Installation brauchst du ohnehin, wenn du Clips mit Ton in einer Datei aufnehmen willst.
Windows
Unter Windows gibt es kein Modul und keine Paketverwaltung dazwischen: Die Clients von DroidCam, Iriun oder Camo melden beim Installieren selbst eine Kamera am System an. Danach steht sie in Hologramus Geräteliste.
Windows 11 kann es zusätzlich ohne Zusatzsoftware: In den Einstellungen unter Bluetooth und Geräte → Mobilgeräte lässt sich ein gekoppeltes Android-Handy als verbundene Kamera freigeben. Das setzt ein aktuelles Windows 11, die App Link zu Windows auf dem Handy und eingeschaltetes Bluetooth voraus; das Bild selbst läuft über WLAN. Für iPhones gibt es das nicht — dort bleibt es bei DroidCam, Iriun oder Camo.
In Hologramu auswählen
Im Avatar unter Tracking → Kameras das virtuelle Gerät auswählen. Es heißt so, wie du es benannt hast, oder nach dem Client („DroidCam", „Iriun").
- Bild (Auflösung / Bildrate) — virtuelle Geräte bieten oft nur ein einziges Format an. Lass die Einstellung auf Automatisch und stell die Auflösung dort ein, wo sie entsteht: in der Handy-App. 720p reicht völlig; MediaPipe rechnet intern ohnehin kleiner, und jedes Pixel mehr kostet nur Bandbreite.
- Winkel und Höhe — steht das Handy seitlich oder auf einem Stativ über dir, zieh es auf der Bühne dorthin. Der Tracker rechnet die Schräge dann heraus, statt sie deinem Avatar mitzugeben.
- Bildrate — wichtiger als Auflösung. Unter etwa 20 Bildern pro Sekunde wird die Bewegung sichtbar zäh.
Wenn es nicht klappt
| Symptom | Ursache |
|---|---|
| Gerät fehlt in der Liste | Verbindung zum Handy steht noch nicht (siehe exclusive_caps=1 oben) |
| Gerät fehlt weiterhin | Modul nicht geladen — mit lsmod nachsehen, sonst sudo modprobe v4l2loopback |
| Nach einem Kernel-Update weg | DKMS neu bauen: sudo dkms autoinstall, notfalls Header nachinstallieren |
| Handy und PC finden sich nicht | Unterschiedliche Netze, Gast-WLAN oder Client-Isolation im Router |
| Bild ruckelt oder hängt hinterher | 2,4-GHz-WLAN, zu hohe Auflösung — oder gleich per USB verbinden |
| Kamera bleibt schwarz | Andere App belegt die Handykamera; Streaming-App neu starten |
Tipp: Ein Handy, das eine Stunde lang streamt, wird warm und leer. Am Kabel erledigt sich beides auf einmal.